Butte de Vauquois: unterirdische Gänge und Krater des Minenkriegs

17.07.2026

Von Sandra & Christophe · 9 Min. Lesezeit

Fünfundzwanzig Kilometer westlich von Verdun liegt ein Hügel, auf dem das Dorf nicht mehr existiert. Wo Straßen, Häuser und eine Kirche standen, zieht sich heute ein langer Rücken mit einer doppelten Reihe gewaltiger Krater. Die Butte de Vauquois ist einer der eigentümlichsten WK1-Orte Frankreichs: kein Schlachtfeld im klassischen Sinn, sondern eine einzelne Kuppe, auf der zwischen 1914 und 1918 französische und deutsche Pioniere unter- und gegeneinander Stollen vortrieben und Minen sprengten, bis das Dorf selbst nicht mehr da war. Für deutsche Besucher ist der Ort besonders interessant — hier wurde die deutsche Minenkriegstechnik des Ersten Weltkriegs maßgeblich geprägt. Von der Ferme Lafayette aus erreicht man Vauquois in einer Viertelstunde.

Das Dorf, das verschwand

Vor dem Krieg zählte Vauquois etwa 168 Einwohner. Es lag auf einem 295 Meter hohen Hügel mit freier Sicht über die gesamten Argonnen bis vor Verdun. Im September 1914 zog sich die deutsche Armee nach dem Scheitern an der Marne nordwärts zurück und verschanzte sich genau auf diesem Rücken. Vauquois wurde im gleichen Monat genommen; die Deutschen hielten die südliche Hälfte des Dorfes. Die Franzosen eröffneten Anfang 1915 die nördliche Hälfte unter schweren Verlusten zurück — und kamen dann zum Stillstand: beide Seiten lagen zwanzig Meter voneinander entfernt auf der Kuppe, und Infanterie konnte sich gegenseitig nicht mehr verdrängen.

Ab 1915 grub man auf beiden Seiten nicht mehr Schützengräben, sondern Minen. Französisches Génie und deutsche Pioniere senkten Schächte sechzig, achtzig, hundert Meter in die Tiefe, packten die Endkammern mit Sprengstoff und zündeten. Und dann erneut. Fast vier Jahre lang. Die Zivilbevölkerung war längst evakuiert. Als die Amerikaner am 26. September 1918 über die Kuppe gingen, war vom Dorf nichts mehr da, was hätte befreit werden können — nur der Rücken, seine Krater und das Schweigen.

Was sie einander angetan haben

Insgesamt wurden auf diesem einen Hügel über fünfhundert Minen gezündet. Das französische und das deutsche Gangsystem zusammen umfassen unter dem Rücken rund dreißig Kilometer Stollen — eine kleine unterirdische Stadt in zwei Hälften. Die größte Einzelladung war die deutsche „Donaumine", nach dem Strom benannt und am 14. Mai 1916 gezündet: sechzig Tonnen Sprengstoff auf einmal. Die Druckwelle tötete über hundert französische Infanteristen sofort und schuf einen Krater, in den man heute hinabsteigen kann.

Die deutsche Pionierwaffe entwickelte in den Argonnen und besonders an der Butte de Vauquois Techniken, die in andere Frontabschnitte weiterwanderten: Bohrverfahren, Sauerstoffgeräte, Gegenminentaktiken, Geräuschdetektion mit Geophonen. Die Butte de Vauquois ist insofern auch ein Lehrstück der Militäringenieurgeschichte — und sie kostete die deutsche Seite mehrere tausend Soldaten.

Was Sie heute sehen: oberirdisch

Der oberirdische Rundgang ist kostenfrei, jederzeit zugänglich und gut beschildert. Vom Parkplatz am Fuß des Hügels führt ein Pfad in etwa zehn Minuten auf die Kuppe. Oben orientieren zwei Tafeln in den ehemaligen französischen und deutschen Stellungen, und eine „Lanterne des morts" markiert die Stelle der verschwundenen Dorfkirche. Von hier läuft man die gesamte Kraterlinie ab — eine seltsame, fast mondartige Landschaft aus Trichtern, Gegentrichtern und überwucherten Aufschüttungen. Planen Sie für den oberirdischen Teil mindestens eineinhalb Stunden.

Was Sie heute sehen: unter Tage

Die unterirdischen Gänge werden von Les Amis de Vauquois et de sa région gepflegt und geführt, einem ehrenamtlichen Verein. Er bietet Führungen an, in der Regel an einem Sonntag im Monat und einigen weiteren Terminen im Jahr, gegen eine kleine Gebühr. Sie steigen über Betonstufen in einen Abschnitt des französischen Gangsystems hinab: feucht, eng, kalt, mit Handlampen ausgeleuchtet. Sie stehen in den tatsächlichen Kammern, in denen französische Mineure arbeiteten, aßen, schliefen und auf die nächste deutsche Sprengung wenige Meter weiter warteten. Es ist, offen gesagt, das körperlich unmittelbarste WK1-Erlebnis dieser Region. Vorab über die Vereinswebsite reservieren.

Vauquois aus deutscher Sicht

Die deutsche 5. Armee hielt die Butte de Vauquois fast den gesamten Krieg über. Mehrere bayerische und preußische Pionierbataillone wechselten sich auf der Kuppe ab. Wer nach einem Vorfahren sucht, der im Vauquois-Sektor diente, beginnt am besten in der Volksbund-Datenbank auf volksbund.de — die meisten deutschen Gefallenen dieses Abschnitts liegen in nahegelegenen Volksbund-Anlagen, darunter Consenvoye und Brieulles-sur-Bar. Beide Friedhöfe lassen sich an einem halben Tag mit Vauquois kombinieren.

Praktische Informationen

Fünfzehn Autominuten von der Ferme Lafayette über ruhige Landstraßen. Kostenloser Parkplatz am Fuß des Hügels. Oberirdischer Rundgang frei und stets zugänglich. Führungen unter Tage nur nach Voranmeldung, gegen kleine Gebühr. Mitbringen: festes Schuhwerk (Pfad und Kraterrand sind uneben), eine warme Schicht auch im Sommer (unter Tage herrschen das Jahr über rund 10 °C), eine Taschen- oder Stirnlampe falls vorhanden, eine Wasserflasche. Kein Café, kein Laden vor Ort; Toiletten begrenzt.

Warum sich der Besuch lohnt

Verdun und der amerikanische Friedhof von Romagne zeigen Ihnen den Maßstab und die Stille des Ersten Weltkriegs; die Butte de Vauquois zeigt seine Technik und seine Unverhältnismäßigkeit. Vier Jahre lang haben sich auf einem einzigen Hügel ein paar tausend Mann je Seite in derselben feuchten Erde untereinander durchgegraben, mit der ausdrücklichen Absicht, den anderen während seiner Arbeit zu sprengen. Das wäre als Filmstoff unglaubwürdig. Auf diesem Hügel ist es in der Erde eingeschrieben.

Die Ferme Lafayette liegt eine Viertelstunde von der Butte de Vauquois entfernt. Sandra und Christophe sprechen Deutsch und helfen, einen Termin der Führung sowie einen Abstecher zum deutschen Friedhof Consenvoye in den Tag einzuplanen. Frühstück inklusive, Drei-Gänge-Menü auf Wunsch — nach einem langen Tag auf der Kuppe besonders empfohlen. Verfügbarkeit ansehen →

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