Der amerikanische Soldatenfriedhof Maas-Argonnen: größter US-Militärfriedhof Europas
Über dem Rasen von Romagne-sous-Montfaucon liegt eine Stille, die sich schwer beschreiben und nicht vergessen lässt. Vierzehntausendzweihundertsechsundvierzig weiße Marmorkreuze und Davidsterne, in leichten Bögen über dreiundfünfzig Hektar sorgsam gepflegten Rasens, der sanft von einer romanischen Kapelle hinunter zur Landstraße verläuft. Der größte US-Militärfriedhof Europas — und für viele Besucher die eindrucksvollste Station einer Reise durch die Maas-Argonnen. Für deutsche Besucher ist der Ort doppelt interessant: als Friedhof der einstigen Gegner, und als Vergleich zu den deutschen Volksbund-Anlagen wenige Kilometer entfernt. Dieser Beitrag soll dabei helfen, den Besuch ruhig und würdig zu gestalten.
Der Friedhof in Zahlen
14.246 amerikanische Kriegstote, fast alle gefallen während der Maas-Argonnen-Offensive im Herbst 1918. Weitere 954 Namen sind auf den Wänden der Vermissten eingemeißelt — Soldaten, deren Körper nie gefunden oder identifiziert werden konnten. Dreiundfünfzig Hektar Land, von der Französischen Republik in den Nachkriegsjahren auf ewig den Vereinigten Staaten überlassen. Der Friedhof ist kostenfrei zugänglich und wird unterhalten von der American Battle Monuments Commission, der amerikanischen Bundesbehörde, die der US-Kongress 1923 zu diesem Zweck schuf. Die Einweihung erfolgte am 1. August 1937, am selben Tag wie das Memorial in Montfaucon, sechs Kilometer entfernt.
Drei Sprachen des Gedenkens — ein Vergleich
Wer in Vladslo war, kennt die deutsche Bildsprache des Volksbunds: dunkle Kreuze in flachem Stein, Sammelgräber, die berühmten „Trauernden Eltern" von Käthe Kollwitz. Wer in Tyne Cot oder Hooglede war, kennt die britische Sprache der Portland-Stein-Stelen in englischen Gärten. Und wer in Douaumont war, kennt die französische Sprache des gemeinsamen Beinhauses, in dem Franzosen und Deutsche namenlos vermischt liegen.
In Romagne spricht eine vierte Sprache: jeder Tote trägt einen eigenen Stein, jedes Kreuz ist identisch, die Reihen sind geometrisch genau, das Weiß des Marmors leuchtet im freien Raum. Es ist die Sprache einer Nation, die ihre Toten in voller Individualität und vollständiger Gleichheit ehren wollte — Captain neben Private, Pilot neben Infanterist, alle gleich groß, alle gleich hell. Diese Wahl ist nicht besser oder schlechter als die deutsche oder die französische. Sie ist anders, und sie erklärt sehr viel über das amerikanische Selbstverständnis von 1918.
Wie man ein bestimmtes Grab findet
Die ABMC führt eine kostenfreie öffentliche Datenbank „Find a Burial" auf abmc.gov. Gesucht wird nach Familienname, US-Bundesstaat, Truppenteil oder Sterbedatum. Findet sich ein Eintrag, liefert das System Name, Dienstgrad, Division, Sterbedatum sowie die genaue Position des Grabes oder den Wandabschnitt der Vermisstenwand.
Auch deutsche Besucher mit Familienforschungsfragen sind willkommen — nicht selten suchen Nachfahren in Deutschland nach einem amerikanischen Verwandten zweiter oder dritter Generation. Wer kommt, schreibt am besten vorab über die ABMC-Website. Das Personal vor Ort begleitet den Besucher zum Grab, händigt eine kleine amerikanische Flagge aus und hilft auf Wunsch beim Fotografieren der Inschrift. Dafür wird feiner Sand in die eingemeißelten Buchstaben gerieben: der Sand setzt sich in den Vertiefungen ab und macht die Schrift einen Augenblick lang dunkel und klar lesbar.
Die Kapelle, die Wände der Vermissten und das Besucherzentrum
Am oberen Rand des Friedhofs steht die Kapelle, ein niedriger romanischer Bau aus hellem Kalkstein mit einer einzigen breiten Eingangstür. Im Inneren: ein ruhiges gewölbtes Mittelschiff, ein Altar aus rotem Marmor, kleine Bleiglasfenster mit den Wappen der amerikanischen Divisionen, die in der Offensive kämpften. An den Seitenwänden und in der Loggia draußen sind die 954 Namen der Vermissten eingraviert, nach US-Bundesstaaten geordnet, jeder Name gefolgt von Rang und Truppenteil.
Sehen Sie genau hin: neben einigen Namen findet sich eine kleine Bronzerosette. Sie zeigt an, dass die Gebeine des betreffenden Soldaten später doch noch identifiziert wurden — manchmal Jahrzehnte nach dem Krieg, manchmal erst kürzlich nach einem Bodenfund. Die forensische Identifikationsarbeit läuft weiter.
Unter der Kapelle informiert das Besucherzentrum über die Offensive, den Bau des Friedhofs in den 1930er-Jahren und Einzelschicksale. Planen Sie eine halbe Stunde für das Zentrum, zusätzlich zum Rundgang.
Ein paar Namen, die man kennen sollte
Unter den 14.246 Gräbern ruhen acht Träger der Medal of Honor. Der bekannteste ist Lieutenant Frank Luke Jr., genannt „Arizona Balloon Buster" — ein Jagdflieger, der in siebzehn Tagen Kämpfen im September 1918 achtzehn deutsche Beobachtungsballons und Flugzeuge zerstörte und am 29. September bei Murvaux fiel, einundzwanzig Jahre alt. Sein Grab ist ein schlichtes weißes Marmorkreuz, identisch mit allen anderen. Genau das ist die Aussage: ein Gefreiter aus Iowa, ein Captain aus Texas und ein dekorierter Pilot aus Arizona ruhen unter demselben Stein, in derselben Reihe.
Verhalten beim Besuch
Schlichte Kleidung: lange Hose oder langer Rock, Schultern bedeckt. Der Friedhof ist kein Museum, die Kapelle geweihter Boden. Leise sprechen; Telefonate vor dem Tor. Fotos sind willkommen, doch mit Bedacht: kein Lächeln vor den Kreuzen, keine Bilder von sichtbar bewegten anderen Besuchern. Kinder sind willkommen, sollten aber auf die Atmosphäre vorbereitet werden; viele Familien gehen langsam und erklären unterwegs.
Mindestens neunzig Minuten einplanen. Nachfahren bleiben oft zwei oder drei Stunden; manche kommen am nächsten Tag wieder. Beides kostet nichts.
Kombinieren Sie den Besuch mit dem deutschen Friedhof Consenvoye
Für deutsche Besucher empfehlen wir, den amerikanischen Friedhof mit dem deutschen Soldatenfriedhof Consenvoye zu verbinden. Consenvoye liegt knapp 25 Kilometer südöstlich, am Hang über der Maas, und beherbergt rund 11.000 deutsche Gefallene des Ersten Weltkriegs in einer Anlage des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Ein Besuch beider Friedhöfe am selben Tag dauert mit Mittagspause fünf bis sechs Stunden. Die räumliche und stilistische Nähe der beiden Orte — weißer Marmor in geraden Reihen hier, dunkle Steinkreuze unter Bäumen dort — macht die unterschiedlichen Trauerkulturen beider Länder mit einem Blick fassbar. Der Eintritt ist an beiden Orten frei.
Praktische Informationen
Zwanzig Autominuten von der Ferme Lafayette, über eine ruhige Landstraße durch Felder. Eintritt frei, Parken frei, Toiletten im Besucherzentrum. Täglich geöffnet außer am 25. Dezember und 1. Januar; saisonale Öffnungszeiten unter abmc.gov prüfen. Das beste Licht ist morgens und am späten Nachmittag. Wer die Kapelle aus der Ferne fotografieren möchte, wählt am besten eine Stunde vor Sonnenuntergang.
Warum dieser Ort ist, was er ist
Die meisten amerikanischen Gefallenen der Maas-Argonnen-Offensive wurden zunächst in kleinen Notgräbern in der Nähe ihres Sterbeortes beigesetzt. Nach dem Waffenstillstand erhielt jede Familie eine Wahl: den Körper auf Staatskosten in die Heimat überführen lassen — oder ihn in Frankreich ruhen lassen. Etwa sechzig Prozent entschieden sich für die Rückführung. Die übrigen 14.246 Familien wählten, ihren Sohn neben seinen Kameraden zu lassen. Versammelt wurden alle hier, auf diesem Hang über Romagne-sous-Montfaucon, auf einem Stück Erde, das Frankreich auf ewig den Vereinigten Staaten geschenkt hat. Der Friedhof ist staatsrechtlich ein kleines Stück Amerika in einer französischen Kulturlandschaft — und das ist er seither geblieben.
Die Ferme Lafayette liegt zwanzig Autominuten vom amerikanischen Friedhof entfernt. Sandra und Christophe sprechen Deutsch und kennen Consenvoye ebenso gut wie Romagne. Wer beide Orte verbinden möchte, kann sich von ihnen die Route, eine Mittagspause unterwegs und einen ruhigen Abend in der Ferme planen lassen. Verfügbarkeit ansehen →
